Indien – das Silicon Valley der Zukunft?
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Indien hat in den letzten Monaten international für Aufsehen gesorgt: Eine erfolgreiche Mondlandung, der G20-Gipfel in Neu-Delhi und der Aufstieg zum bevölkerungsreichsten Land sowie zur fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt zeigen, dass Indien inzwischen nicht nur ökonomisch, sondern auch wissenschaftspolitisch eine bedeutende Rolle einnimmt. Doch was steckt hinter diesem rasanten Aufstieg?
Die indische Regierung verfolgt den ehrgeizigen Plan, das Land zu einem Industrieland zu transformieren. Dabei spielen Bildung, Forschung und vor allem Technologietransfer an Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine entscheidende Rolle. So hat sich Indien in nur sieben Jahren zum drittgrößten Start-up-System der Welt entwickelt: Rund 100.000 Start-ups gab es im Jahr 2022. Vor allem künstliche Intelligenz ist hierbei die Zukunftstechnologie der Stunde. Von den 3.100 indischen Deeptech-Start-ups arbeiten 64 Prozent an und mit KI. Die indische Regierung fördert dabei seit zehn Jahren gezielt Start-ups, um wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze für die vielen Hochschulabsolventen zu schaffen. Denn mit mehr als 2,1 Millionen Mint-Absolventinnen und -Absolventen pro Jahr verfügt Indien über eine beeindruckende Talentressource. Entsprechend hat die indische Regierung den Aufbau von Technology Business Inkubatoren an Hochschulen und Forschungseinrichtungen vorangetrieben und inzwischen sorgen 260 Inkubatoren für einen schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in wirtschaftliche Anwendungen. Auch viele indische Bundesstaaten engagieren sich mittlerweile finanziell in diesem Bereich.
Zudem fördern zahlreiche staatlich finanzierte Programme und Organisationen wie der Biotechnology Industry Research Assistance Council (Birac), das Department of Science and Technology (DST) und die Atal Innovation Mission (AIM) die Inkubatoren und Tech-Start-ups. Birac hat in den letzten zehn Jahren 74 Biotech-Inkubatoren finanziert und 3.500 Start-ups gefördert, mehr als 1.250 Patente wurden angemeldet. Das India Seed Fund Scheme will bis 2025 rund 3.600 Start-ups an 300 Inkubatoren mit knapp 110 Millionen Euro unterstützen, um Prototypen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Und erst im September stellte die indische Regierung eine neue Deep-Tech-Start-up-Strategie vor, die gezielt die eigene wissensbasierte Wirtschaft und technologisches Wachstum fördern soll, um Indiens globale Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.
Entsprechend gut sind die Zukunftsaussichten: Die umfangreiche Förderung des Technologietransfers, die hohe Anzahl von Mint-Talenten und die gezielten Investitionen in Forschungsfelder wie Quantentechnologie, Grüner Wasserstoff und künstliche Intelligenz bilden erwartbar eine solide Grundlage, damit Indien in den kommenden Jahren zu einem der führenden globalen Innovationszentren aufsteigt. Ab dann – und in Teilen bereits jetzt – heißt es: Welcome im Innovation Hub Delhi.

AUTHORDr Katja Lasch
Director, DAAD Regional Office New Delhi and Director, German Centre for Research and Innovation (DWIH) New Delhi since October 2019.
Dieser Artikel erschien im Februar 2024 im Newsletter der Zeit Wissen.